Institut für separatistischen Ausschlussfeminismus http://ausschlussfeminismus.blogsport.de Ausschlüsse statt Meinungsfreiheit! Mon, 08 Apr 2013 09:40:40 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Monosexismus? http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2013/04/08/monosexismus/ http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2013/04/08/monosexismus/#comments Mon, 08 Apr 2013 09:34:30 +0000 IfsA Allgemein http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2013/04/08/monosexismus/ Neulich ist das Institut über einen Begriff gestolpert: Monosexismus. Zunächst dachte es sich, dass es sich dabei um ein Wort handelt, das die Diskriminierung_Marginalisierung von nicht_hetero_zweier_reproduktions_normativen Beziehungsgeflechten analytisch greifbar macht, weil es sich sprachlich auch auf „Monogamie“ bezieht.

Leider irrte das Institut gewaltig. Monosexismus wird gebraucht, um die Diskriminierung von Menschen zu beschreiben, die gleichzeitig weder hetero noch „homosexuell“ begehren, ob nun in polyamorösen oder monogamen Zweier_Paarbeziehungen. Dies würde bedeuten, dass Menschen mit pan- bi- polysexuellen Begehrensformen_praxen nicht nur von (zweierpaarbeziehungsgenormten) Heten und Heterosexismus betroffen sind. Sondern auch von der Feindseligkeit vieler „Homos“ gegenüber Menschen mit pan- bi- polysexuellen Begehrensformen_praxen. Wobei im Sinne des Gebrauchs des Begriffes von Monosexismus „Homos“ erstmal eine unbestimmte statische Gruppe sind. Mehr noch behauptet „Monosexismus“, es gäbe eine grundsätzliche strukturelle Benachteiligung jener Sexualitäten/Begehrens- (und manchmal) Beziehungspraktiken, die mehr als „auf ein Geschlecht“ („monosexuell“) festgelegt sind.

Dem Institut tun sich einige Fragen auf:

Welches Sexismusverständnis liegt dem Begriff Monosexismus zu Grunde?
Welches cis_zwei_gegenderte Verständnis von Geschlecht?
Welches normative Verständnis von Begehren? Von Sexualität? Von Beziehung? Von Sex_(nicht)_körperlicher Nähe_Intimität? Und ist das nicht alles untrennbar miteinander verflochten und muss als Gesamtpaket dekonstruiert_kritisiert_emanzipiert werden?
Warum sind Heten und „Homos“ in Bezug auf „Monosexismus“ gleich?
Warum taucht überhaupt der Begriff „Homosexualität“ in diesem Zusammenhang auf?
Welche hetero_sexistischen Strukturen nimmt „Monosexismus“ in den Blick? (und welche nicht?)

Einschub:

In sich selbst als feministisch oder queer_feministisch bezeichnenden Zusammenhängen beobachtet das Institut, wenn es um die Thematisierung von Heterosexismus und Heteragenderung geht, dass sich viele Heten von der Kritik an strukturellen und diskursiven Privilegierungen zurückziehen, weil das bisexuell L_i_ebende ausgrenze, nicht mitdenke, die Welt in „Homo“-Hetero aufteile, alles was dazwischen und darüber hinaus liegt, völlig unangetastet ließe und deshalb eine Kritik an Heteronormativität in der Regel undifferenziert sei. Weiterhin beobachtet das Institut eine Instrumentalisierung_Aneignung_Kokettierung von und mit als nicht-heter@ eingelesenen Praxen durch Heten. Offenbar soll damit eine Offenheit_Nähe für und zu nicht normativen Begehrensformen signalisiert werden, letztlich freuen sich über diese „Nettigkeiten“ in der Regel Typen und Heteras. Das Spiel mit dem Unbekannten, dem Feuer, dem Verbotenen, dem hetera_male_gaze, dyke (und trans sowie dyke_trans) kennt das. Kritik an heterosexistischen Äußerungsformen und privilegierten Raumnahmen_Selbstverständlichkeiten des hetigen Selbst wird so seiner Legitimität beraubt, weil so ganz hetero sei hete dann ja doch nicht. Überhaupt: Liebe sei ja zufällig und über jede Machtverhältnisse erhaben, Gefühle könne mensch sich nicht aussuchen, und überhaupt wäre es nicht dieser und jener Typ, mit dem hetera gerade „zufällig“ eine Beziehung führe, dann wäre es eben einer dieser --- na ihr wisst schon --- Perversen, Anderen, Dazwischens, Darüberhinauses gewesen. Vielleicht beim nächsten Mal. Wir denken uns dann: Uff. Noch eine übergriffige Katy mehr, die uns ungefragt von ihren intimen Erlebnissen „mit einer Frau“ berichtet oder avanciert, dass sie uns ziemlich begehrenswert finden würde, wenn sie lesbisch wäre. Kaum ist einer dieser Sätze ausgeprochen, wird bereits wieder über Typen referiert, um sich aus der Höhle der Löw_innen zu stehlen, die hetera vorher so selbstsicher betreten hatte.

Einschub Ende.

Doch was hat das Ganze nun mit „Monosexismus“ zu tun? Das Institut urteilt hart: „Monosexismus“ in seinem derzeitigen Gebrauch ist merkwürdig anschlussfähig für genau diese Rhetoriken, Übergriffe und Selbstverständlichkeiten von Heten, die schlicht unwillig sind, ihr Beziehungs- und Intimitäts-Handeln als politisch bedeutsam – also auch immer diskriminierend_ausschließend_nicht wahrnehmbar machend_normierend_ein System stützend – zu begreifen. Das heißt nicht, dass ausschließlich Heten verantwortlich für Heterosexismus und heteronormative Kackscheiße sind. Doch solange zwischen Heten und „Homos“ kein Unterschied hinsichtlich ihrer sozialen Positionierung gemacht wird, Heten und „Homos“ also im liberalen Sinne als Gleiche behandelt werden in ihrem sprechen_handeln_performen, strukturell diskriminierte Positionen („Homo“) mit strukturell privilegierten („hetero“) gleichgesetzt werden, so wie es der Begriff „monosexuell“ nahelegt, wirkt er hetero_sexistisch.

Weiterhin re_produzieren „monosexuell“ und „Monosexismus“ Zwei_Cis_Genderung, solange nebulös von „Begehren ist auf ein Geschlecht festgelegt“ die Rede ist. Der Mythos von „same-sex relationships“ wird unkritisch aufgegriffen, ohne ihn zu hinterfragen. Trans wie Cis positionen können bspw lesbisch begehren_sich lesbisch identifizieren, ohne dabei auf „das Geschlecht“ „Frau“ Bezug zu nehmen oder umgekehrt. Bi ist nicht auf jene Menschen festgelegt, die sich als (Cis) „Frau“ oder „Mann“ identifizieren und jeweils (Cis) „Frau“ oder „Mann“ begehren_Intimität_Nähe_Sex teilen_haben.

Mit dem Weiterführen der Begriffe „Homo“ oder „Bi“, ohne sie jeweils für die eigene soziale Position zu kontextualisieren, werden prototypisierte Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit (Zwei_Genderung) und „geschlechtliche Eindeutigkeit_eindeutige geschlechtliche Zuordenbarkeit über zeit_raum hinweg“ (Cis_Genderung) fortgeschrieben. In beiden Fällen wird Sexismus reproduziert.

WTF is „homo“?

Wir lehnen den Begriff „Homosexualität“/“homosexuell“ grundsätzlich ab, weil er auf diskursiver Ebene oft in erster Linie schwule Typen meint bzw. schwule Typen die Norm von „gay“ / „homo“ bilden, lesbische (und dyke_trans) Positionen in ihrer Verschiedenheit weg_nennt_denkt. Der Begriff repräsentiert lesbische (und dyke_trans) Positionen nicht. Wir begreifen unser Begehren, wenn wir uns lesbisch ver_orten, auch nicht als „auf ein Geschlecht“ festgelegt, geschweige denn als ausschließlich auf Begehren/Sexualität/Intimität/Beziehungen festgelegt. Uns lesbisch zu ver_orten, bedeutet für uns, uns damit auch in eine antisexistische_feministische Geschichte zu stellen, Lesbe als kritische Ver_ortung zu begreifen, die hetera_zwei_Genderung radikal in Frage stellt und manchmal, zumindest ver_suchen wir es in unserem politischen Handeln, auch Cis_Genderung kritisieren kann.

Wir sind nicht trans positioniert_ver_ortet, aber wir sind auch keine „Frauen, die auf Frauen stehen“. Wir verorten uns lesbisch und es sagt über unser Begehren nur insofern etwas aus, dass wir Typen als „Sexual/Intim/Beziehungspartner“ ablehnen. Ablehnen, weil wir Typen nicht begehren. Ablehnen, weil wir unser Begehren/Beziehungs/Intimitätshandeln als politisch_antisexistisch_feministisch begreifen wollen und daher nicht an der ständigen, alltäglichen und allumfassenden Heteragenderung der Gesellschaft partizipieren wollen, die von uns erwartet wird, die uns auferlegt wird, seitdem wir uns in welt befinden, die wir als Repression empfinden. Uns lesbisch zu ver_orten war uns weder „in die Wiege gelegt“, noch haben wir lesbisch frei gewählt, weil es mit Typen „halt nicht so passte“.

Wir finden es scheiße_sexistisch, wenn Frauisierten vorgeschrieben wird, mit wem sie Nähe, Intimität, Sex, Beziehungen haben (müssen), genauso wie wir es scheiße_sexistisch finden, Frauisierte erst dann als solidarisch mit Kämpfen gegen Hetera_Zwei_Cis_Genderung anzuerkennen, wenn sie keine heteragegenderten Begehrenspraxen vollziehen. „Biphobie“ in lesbischen_queeren_feministischen Zusammenhängen ist sexistisch. Doch die Begriffe „Monosexismus“, „monosexuell“ sind es auch.

Hetera_Privilegien, ohne hetera zu „sein“

Wir finden es ebenso kritikwürdig, dass sich Menschen, die gerade in Beziehungen mit Typen leben oder Typen in ihr Begehren einschließen und deshalb als hetera eingelesen / fremdpositioniert werden und dadurch trotzdem Privilegierungen erfahren, mit diesen weder verantwortungsvoll umgehen, noch zur Kenntnis nehmen wollen. Dass diese Menschen als hetera eingelesen werden, ist eine sexistische Praxis. Doch diese Praxis hat zur Folge, dass ihnen (auch) strukturell Privilegien zuteil werden. Die Nicht_Sichtbarkeit_Wahrnehmbarkeit von Bi/Pansexualität bzw. die permanente Hetera_Genderung Frauisierter und dyke_trans Positionierter ist eine Folge sexistischer (auch) struktureller Diskriminierung, aber kein Schicksal, das pan/bisexuell Identitäten allein teilen.

In diesem System bildet die Selbstidentifikation leider keine Grundlage staatlichen_gesellschaftlichen Handelns oder Handelns anderer Individuen, sondern Fremd_wahrnehmung_identifikation. Eine „angenommene“ hetera_gegenderte Lebensweise ist ein Privileg, auch wenn sie möglicherweise nicht das Selbst repräsentiert. Auch wir erfahren dieses Privileg je nach Kontext und je nachdem wie wir uns kleiden, wie wir reden, wie wir handeln, mit welchen Menschen wir (im öffentlichen Raum) Zeit verbringen (egal ob wir mit diesen Menschen Nähe_Intimität_Sex_Beziehungen teilen oder nicht). Und wie diese Menschen sich jeweils kleiden, reden, handeln, positioniert sind, eingelesen_fremdpositioniert werden von anderen. Auch als Lesben müssen wir ab und an mit der Fremd_wahrnehmung_positionierung als Hetera umgehen. Das ist diskriminierend, aber gleichzeitig kann es oft einen Schutz darstellen, wenn es uns das Bewegen_Handeln in öffentlichen Räumen erleichtert.

Eine Beziehung mit einem Typen zu haben kann auch die Inanspruchnahme reproduktiver Rechte sein, oder Rechte, die auf Anerkennung und ökonomische Ressourcenverteilung abzielen. Rechte, die Lesben, dyke_trans und trans nur in Ausnahmefällen oder gar nicht haben oder für sich beanspruchen können.

Identität und soziale Positionierung sind in einem diskriminierenden System oft zwei verschiedene Dinge. Wie ich mich identifiziere, muss nicht mit meiner sozialen Position zusammenfallen. Eine soziale Position konstituiert sich durch die Überlagerung von Machtverhältnissen und wird immer bestimmt durch diese. Daher ist die soziale Position immer (auch) mit Privilegierungen verbunden, die eins nicht durch eine selbstgewählte und für eins empowernd wirkende Identität abstreifen kann. Identität schützt nicht vor Kritik, nicht vor der Übernahme von Verantwortung für eigenes Diskriminierungen re_produzierendes Handeln. Trotzdem können Identität und soziale Position zusammenfallen, bspw. wenn eins Zwei_Cis_Hetera Genderung im eigenen Handeln, am eigenen Körper in Frage stellt _und_ das Außen dieses Infragestellen wahrnimmt_an_erkennt (und dann mit Zurückweisung, Gewalt, Unterdrückung, Zurichtung, Diskriminierung reagiert).

Beziehungsstatus Sexismus: Es ist kompliziert

Wir können kein System erkennen, dass Heten und „Homos“ gegenüber einer nicht weiter bestimmten „Begehrensgruppe“ privilegiert. Wir können allerdings ein System erkennen, in dem Sexismus derart funktioniert, dass es überhaupt notwendig erscheint, Menschen mittels Geschlecht zu kategorisieren. Geschlecht in zwei (und nur zwei) sich diametral gegenüberstehende Gruppen aufzutrennnen. Diese Gruppen mit jeweils unterschiedlichen Eigenschaften_Ressourcen_Handlungsoptionen zu versehen. Sie zu hierarchisieren und sie trotz und mit dieser Hierarchisierung dazu zu zwingen, sich aufeinander zu beziehen (und sich gemeinsam wiederum zu reproduzieren). Und auf dieser Logik Strukturen aufzubauen und diese Strukturen immer wieder auf diskursiver Ebene zu verfestigen.

Alles, was nicht in diese Logik fällt, wird zugerichtet, zwangszugewiesen, diskriminiert, ausgeschlossen, marginalisiert, handlungsunfähig, nicht wahrnehmbar, nicht denkbar gemacht. Dennoch re_produziert Sexismus auf dieser Logik aufbauend nicht genau zwei voneinander unterscheidbare Gruppen (die Betroffenen und die Profit_eurinnen). Sondern entlang dieser Logik werden Menschen (je nach Kontext) mit unterschiedlichen Privilegien ausgestattet, Machtgefälle untereinander differenzieren sich aus (vor allem im Zusammenspiel mit anderen Machtverhältnissen).

Grundsätzlich beobachten wir: je mehr (kontextabhängige und auch temporäre) Anpassung des Selbst an die sexistische Logik, desto leichter das Über_Leben in einem sexistischen System. Der Glaube, diese Nicht_Anpassung oder auch Widerstand gegen diese Logik sei ausschließlich individuell vornehm-, entscheid- und durchsetzbar, verkennt die Wirkung von Machtverhältnissen und re_produziert (in diesem Fall) Sexismus.

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Der Fall Claudia D. – Was richtet ein Freispruch an? http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2012/10/14/der-fall-claudia-d-was-richtet-ein-freispruch-an/ http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2012/10/14/der-fall-claudia-d-was-richtet-ein-freispruch-an/#comments Sun, 14 Oct 2012 18:56:42 +0000 IfsA Allgemein http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2012/10/14/der-fall-claudia-d-was-richtet-ein-freispruch-an/ [Triggerwarnung wegen sexualisierter Gewalt]

Gäste: Claudia D. u.a.
Sie wurde vergewaltigt vom liebsten Wettermoderator der Deutschen, dann kam ihr Vergewaltigungsprozess. Der Fall Claudia D. bewegte die Nation: Die Berichterstattung einiger Medien glich einer Vorverurteilung, andere stellten ihre Glaubwürdigkeit in Frage. Das Landgericht Mannheim sprach Täter Jörg Kachelmann schließlich aus Mangel an Beweisen vom Vergewaltigungsvorwurf frei und ihr Ruf ist ruiniert. Jetzt geht Claudia D. an die Öffentlichkeit.
Wie hat Claudia D. den Prozess erlebt? Wie steht sie heute zu Medien und Justiz in Deutschland? Führt sie einen einsamen Kreuzzug gegen Behörden und Öffentlichkeit? Welche Folgen hat der Fall Claudia D. für andere Vergewaltigungsprozesse? Was tun gegen Vorverurteilungen und Justizirrtümer?

Darüber diskutiert Günther Jauch mit Claudia D. und weiteren Betroffenen.

Zuschauer_innen können und sollen sich gerne vor und während der Sendung per Mail an der Diskussion beteiligen. Die Redaktion ist erreichbar unter: mail@guenther-jauch.de

Original

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Die Top Girls übernehmen. http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2012/07/23/die-top-girls-uebernehmen/ http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2012/07/23/die-top-girls-uebernehmen/#comments Sun, 22 Jul 2012 22:24:08 +0000 IfsA Allgemein http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2012/07/23/die-top-girls-uebernehmen/ [Triggerwarnung für die Darstellung sexualisierter Gewalt]

Was aus der diesjährigen Berliner Slutwalk-Orga bisher öffentlich wurde, macht uns wütend.

Bereits im vergangenen Jahr gab es berechtigte Kritik an den Slutwalks, an den Zusammensetzungen und Arbeitsweisen der Orga-Gruppen, am Umgang mit dem Begriff „slut“ oder „schlampe“ sowie an der (fehlenden) inhaltlichen Auseinandersetzung mit interdependenten Diskriminierungen im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt_Sexismus.
Es wäre also viel Zeit gewesen, sich mit der herangetragenen Kritik auseinanderzusetzen, ein Selbstverständnis auszuarbeiten, besser zu netzwerken, die Workshop-Angebote von Les Migras und Hydra anzunehmen und sich erneut mit der Problematik des Begriffs „slutwalk“ zu beschäftigen und eine Umbenennung in Erwägung zu ziehen, wie es beispielsweise in Hamburg gemacht wurde.

Wir haben die Berliner Orga-Gruppe kurz nach dem Slutwalk am 13. August 2011 verlassen, da die inhaltlichen Differenzen zu groß und unüberbrückbar schienen. Auch einige andere, die wie wir radikale queer_feministische Grundsätze vertreten, nehmen aus diesen Gründen nicht mehr an der Orga teil.

Trotz anstrengender Diskussionen, viel strapazierter Nerven und einigem, was schief lief, finden wir, dass die Arbeit des letzten Jahres eine Grundlage geboten hätte, weiter zu reflektieren, einiges zu ändern und aus Fehlern zu lernen. Viele haben Interesse an der Orga gezeigt und an einer längerfristigen Beschäftigung mit den Ideen der Slutwalks. Viele hatten Lust, an der Orga teilzunehmen und der inhaltlichen Gestaltung beizuwohnen.

Was jetzt passiert, ist leider nichts davon. Ganz im Gegenteil. Das Vorbereitungstreffen, das im Juni stattfand, sollte eigentlich im November 2011 stattfinden, um dem damaligen sehr hohen Interesse von vielen Queer_Fem_inistinnen an der Mitgestaltung eines sich neu eröffnenden radikalen und feministischen Gestaltungsraumes in Berlin Rechnung zu tragen. Diese Chance wurde verpasst. Das diesjährige Vorbereitungstreffen fand nun so spät statt, dass für eine intensive inhaltliche Diskussion und eine mögliche Zusammenarbeit mit Netzwerkpartner_innen schon wieder kaum Zeit bleibt/blieb. Als Ort wurde das Co-Up ausgewählt, ein Co-Workingspace, dem kein queer_feministisches Selbstverständnis zugrunde liegt, der nicht barrierefrei ist, mit der Begründung, dass sich dort mehr Leute willkommen fühlen würden als im „zu linksradikalen, queer_feministischen“ barrierearmen Faq-Laden, der aktuell von der gleichen Orga als Raum für Plena genutzt wird.

Die finanziellen Mittel, die im vergangenen Jahr durch zwei Soliveranstaltungen auch nach dem Slutwalk zur Verfügung standen, wurden nicht an radikale queer_feministische Projekte gespendet, sondern sollten in die Ermöglichung eines nächsten Slutwalks fließen. Wir wundern uns daher, dass erneut eine so große Soliveranstaltung geplant und durchgeführt wurde, um den diesjährigen Slutwalk zu finanzieren.

Ankündigungstext und Motto der diesjährigen Soliparty ärgern in diesem Kontext gleich mehrfach. Nicht nur, dass die Kritiken des letzten Jahres scheinbar vollkommen unbeachtet bleiben, obwohl mehrere Organisator_innen in der Gruppe verblieben sind und daher über alles genaustens informiert sein müssten. Linke, radikale queer_feministische Inhalte, die von einigen im letzten Jahr noch hart erkämpft wurden, so dass wenigstens einiges an kackscheisse verhindert werden konnte und der Slutwalk 2011 nicht nur liberale Spaßfeminist_innen und „Top Girls“ angesprochen hat, sind in diesem Jahr vollkommen verschwunden.

Die Ankündigung einer „sexy“ Soliparty (das Wort sexy wurde mittlerweile aus dem Ankündigungstext entfernt) und der Demo, die „laut und bunt, sexy und normal, hetero und queer“ sein soll und diejenigen anspricht/ansprechen soll, welche „ihre Sexualität selbstbestimmt und lustvoll leben möchten“, ist ein riesiger Schritt zurück, füttert den Backlash und ist so wrong in so many ways. Was Angela McRobbie als postfeministische Maskerade bezeichnet, zeigt sich hier in voller Blüte: Feminismus muss sexy sein und Spaß verstehen sowie neoliberalen Gleichheitsideen entsprechen, die weder bestehende Ungleichheiten und Machtverhältnisse mitdenken, sondern feministischen Aktivismus nur dann legitimieren, wenn die Boyfriends auch mitmachen dürfen und die schlecht gelaunten Emanzen lieber nicht.

Radikale und marginalisierte Positionen werden damit gleich mal auf ihre unsichtbaren Plätze verwiesen, der Slutwalk wird entpolitisiert und für hegemoniale (antifeministische) Diskurse anschlussfähig gemacht. Was letztes Jahr von der Mainstream Presse fälschlicherweise als Ziel der Slutwalks verbreitet wurde – das Recht, sich sexy zu kleiden – wogegen sich immer wieder von Seiten der Orgagruppe gewehrt wurde, wird jetzt auf die Flyer geschrieben.

Dann das Partymotto: „Alles Schlampen – auch Mutti“ ignoriert jegliche Kritik aus dem letzten Jahr. Während hingegen die Verwendung des Wortes Slut/ Schlampe bisher weitgehend vermieden wurde, mit der Option grundsätzlich darüber zu diskutieren wie der Begriff verwendet wird oder ob überhaupt (siehe Hamburg), wird er jetzt gleich zum Motto der „sexy und wilden“ Party und mit dem vermeintlich „witzigen“ Spruch der Partyfeminismus vorangebracht und radikale Ansprüche zunichte gemacht – ganz zu schweigen davon, dass auf die Bedürfnisse von Personen, die sich um Kinder kümmern keinerlei Rücksicht genommen wird, da braucht eine_r sich nur mal den timetable der Party anzuschauen.

Nachdem die Kritik an den Flyern und der Partyankündigung in den letzten Tagen lauter wurde, veröffentlichte das Orgateam eine unsägliche Stellungnahme, die ebenfalls den unreflektierten Umgang mit Kritik bestätigt. Die Problematik des Partymottos wird gar nicht erst verstanden, sondern der Versuch des reclaimens einfach widerrufen, bzw. sich doppelt furchtbar entschuldigt. Es wird nicht auf Kritik eingegangen, es werden keine Konsequenzen gezogen. Alles wird beibehalten und sich entschuldigt. Oder auf eine Aufzählung von Anti-Wörtern verwiesen, statt sich als Gruppe zu situieren, Ver_Ortungen transparent zu machen und sensibel wie verantwortungsbewusst aus einer bestimmten (zum großen Teil privilegierten) Sprechposition heraus politisch zu handeln. Was genau soll das nun ändern?

Als wäre all das nicht schon kritikwürdig genug, wurde den Besucher_innen am Einlass ein Stempel mit der Aufschrift „Slut“ auf den Körper gedrückt. SERIOUSLY, WHAT THE FUCK?

Ein paar Stunden nach der Party dann die erschreckenden, wenn auch nicht gerade verwunderlichen Berichte auf der Facebookseite der Soliparty:
Sexualisierte Übergriffe, Grenzüberschreitungen und sexistische Kackscheisse am laufenden Band.

„von inhalt keine spur. sexistischer kackscheiß von allen seiten(…) egomanes gerempel und blöde wortfetzen überall und die ganze zeit. keine (sichtbaren) supportmöglichkeiten. und ich gehe halt einfach bei so einem motto nicht davon aus, daß ich mich da hinstellen muss, und gruppenweisen coolen, trendy leuten erklären muss, worum es geht, und wie respektvolles, nicht-sexistisches, nicht-mackeriges miteinander aussieht. ich hätte auch auf jede x-beliebige elektrostudent_innenfete gehen können, es wäre kein gefühlter unterschied gewesen. das war alles andere als ein safer raum für mich. im gegenteil, es wurde sex und sexualität und äußeres noch viel mehr als sonstwo auf ätzende art kommentiert und lächerlich gemacht. keine minute des an der bar stehens und wartens verging ohne sprüche im hintergrund á la ‚nun hol schon deine möpse raus, hier geht’s schließlich um sluts‘“ (https://www.facebook.com/events/303914216371085/permalink/310100542419119/)

„i just came home from the slutwalk soli party at about blank. i feel so disgusted. first time*(fortunately) since i am in berlin, i felt being in such an unsafe place. i know that there is no place safe. never.nowhere. but still. in a party against rape culture my both friends got sexualy abused (…) a man graped their pussy while they were trying to pass from the one side of the bar to the other inside that crowded space. (…) ¿was that this people *(becuase all night we felt bothered from sexist comments) had no clue about the theme or the purpuse of this party???? how should we do, that not even one of the people entering into this kind of events (our events) be at least informed of what is about. (…) and then all this stylish shit, seems sooo empty. “
(https://www.facebook.com/events/303914216371085/permalink/310038279092012/)

Bisher gibt es kein Statement von Seiten der Orga zu diesen und anderen Vorfällen, abgesehen von den Kommentaren einzelner Personen aus der Awarenessgruppe auf der Facebookseite, die sich entweder für die fehlende Unterstützung und Aufmerksamkeit entschuldigen, oder die Kritik an die Tür des ://about blanks abschieben. Verhaltensregeln müssten sichtbar und überall präsent sein, allen Besucher_innen kommuniziert werden und bei Nichtbeachtung sofort sanktioniert werden!

Der Flyer, der Text, fehlende Awareness, fehlendes Bewusstsein, die Auswahl der Künstler_innen in Kombination mit der Location und der Bewerbung der Party hat einen unpolitischen, nicht-sicheren Raum geschaffen, in dem Übergriffe nicht verhindert werden konnten und anscheinend auch nicht/kaum sanktioniert wurden. Die SW-Gruppe lädt in einen Club ein, der schon per se durch die Räumlichkeiten keine Sicherheit gewährleisten kann. Dunkel, unübersichtlich, groß. Mit einem aus 10-15 Personen bestehenden Awarenessteam (nach Angabe der Gruppe) ist es da bei weitem nicht getan. Zudem scheinbar viele der Besucher_innen nicht einmal mitbekamen, dass es ein Awarenessteam gab.

Laufpublikum, welches vom ://about blank durch den hohen Bekanntheitsgrad des Clubs (nicht als politischer, sicherer Raum sondern als Elektroclub in dem mensch bis Nachmittags feiern kann) angezogen wird, muss mitgedacht werden und dürfte den Einlass nicht ohne ausreichende Information passieren können, um welche Party es sich handelt.
Zudem sollte bei der Auswahl einer Partylocation bedacht werden, dass in Clubs wie dem ://about blank von einem verantwortungsvollen Umgang mit Drogen nicht ausgegangen werden kann, wodurch persönliche Grenzen schwieriger wahrgenommen und respektiert werden können. Zudem erhöht sich die Gefahr, dass Besucher_innen gegen ihr aktiv gegebenes Einverständnis Drogen verabreicht werden, um ihre Grenzen und körperliche Integrität bewusst zu verletzen.

Die Auswahl der Künstler_innen ist nicht nur dahingehend unbedacht. Peaches auf einem Flyer_Plakat zieht viele Leute an, aber nicht unbedingt nur die, die mit einer Soli-Party für eine Demo mit einer sensiblen Thematik angesprochen werden sollten. Im letzten Jahr hatten wir Peaches als potentielle Künstlerin von vorneherein ausgeschlossen, da ihre Performance (fast) immer sehr sexualisiert ist und demnach erhöhtes Triggerpotential in sich trägt. Das gleiche gilt auch für die Einladung von Mad Kate (was keine grundsätzliche Kritik ihrer Performance bedeuten soll, sondern in frage stellt, ob diese für eine Slutwalk-Party geeignet ist).

Die Slutwalk-Berlin-Orga sollte sich schleunigst zu den Vorfällen positionieren und eine radikale Kehrtwende in ihrem politischen Grundverständnis und Handeln in Erwägung ziehen.
Schon jetzt ist es aus einer radikalen queer_feministischen Perspektive nicht mehr möglich, diese Demo zu unterstützen. Der Slutwalk Berlin ist nicht nur ausschließend, sondern trägt ein enormes Kackscheisse-Potential in sich und hat massiv an Inhalt eingebüßt.

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http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2012/07/23/die-top-girls-uebernehmen/feed/
Das Problem mit der Paarnormativität http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2012/06/26/das-problem-mit-der-paarnormativitaet/ http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2012/06/26/das-problem-mit-der-paarnormativitaet/#comments Tue, 26 Jun 2012 13:27:15 +0000 IfsA Allgemein http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2012/06/26/das-problem-mit-der-paarnormativitaet/ Was macht es mit Menschen, die keine Beziehung haben (wollen), wenn sich Personen in RZB vor ihnen inszenieren?

Paarnormativität beinhaltet, dass Personen ohne Beziehung als Mängelwesen hergestellt und kontinuierlich für ihr „alleine sein“ sanktioniert werden.
Nicht in einer Beziehung zu sein oder keine zu wollen wird mit Einsamkeit assoziiert. Mensch wird bemitleidet, irgendetwas muss sie_er ja falsch machen, wenn sie_er alleine ist.

Keinen sex zu haben, kann auch nicht richtig sein. Wie hältst du das aus?

Aus den Normen, die meistens mit RZB einhergehen, ergeben sich gleichzeitig diese „Mängel“ als real erlebte Erfahrungen für viele Personen ohne Beziehung, da bestimmte Lebenssituationen, bestimmtes unterstützendes Verhalten untereinander, zusammen sein, sich nahe sein, füreinander da sein in Verbundenheit mit körperlicher Nähe (die nicht sexualisiert sein muss) oftmals nur mit RZB in Verbindung gebracht werden, oftmals nur in diesen erlebt werden. 
Ergo: keine Beziehung = fehlende Nähe = Druck, wieder eine Beziehung zu finden.

Dieser Druck wird wesentlich erhöht, wenn Personen in Beziehungen sich in öffentlichen Räumen als solche inszenieren. Der scheinbare Mangel wird deutlich vor Augen geführt und gesellschaftliche Beziehungsnormen ständig reproduziert.

Nur in einer RZB bist du ein vollständiger Mensch.

Wie können wir mit diesen Normen brechen?

Freund_innenschaften als Priorität setzen 
(mit gleichen_ähnlichen Prioritäten ausstatten wie die RZB)

Selbstverständlichkeiten in Freund_innenschaften stärken und ausbauen, umsetzen
(Dies ist wahrscheinlich nur mit viel Kommunikation und Auseinandersetzung damit möglich, um bestimmte normative Strukturen die mit RZB und Freund_innenschaft einhergehen klar zu bekommen, sichtbar zu machen und ändern zu können)

Herausfinden und ernst nehmen, was einigen mehr, einigen weniger wichtig an einer RZB ist, auch die Beziehung akzeptieren, unterstützen. Dies halte ich vor allem für nicht-hetera-Beziehungen für sehr wichtig, da öffentliche Räume kaum zur Verfügung stehen.

Gegenseitig solidarisch sein

Eigene, internalisierte Beziehungsnormen hinterfragen, das eigene Verhalten beobachten und verändern.

Fragen zum weiter_denken:

Wieso handelt die meiste Musik von verlorener Liebe, beginnender Liebe, ewiger Liebe, schmerzender Liebe, glücklich machender Liebe?

Wieso wird von mir selbstverständlich erwartet, dass ich die Partner_innen meiner Freund_innen immer mitdenke, wenn ich etwas mit meinen Freund_innen plane? Ich muss ja auch nicht die engsten Freund_innen immer mit denken

Wieso werden Personen in RZB so oft und selbstverständlich bevorzugt?

Wieso genießen Paarbeziehungen so viele Privilegien?

Wieso wird einem Paar sofort das Bett angeboten, während die mitreisende Person selbstverständlich auf dem Sofa schlafen soll? Haben Personen in Beziehungen etwa häufiger Rückenprobleme?

Wieso wird Personen, die eine Beziehung führen, ein höheres Maß an Bedürfnissen (z.B Zeit zu zweit zu verbringen) zugestanden? Warum müssen meist die Personen ohne Beziehung dahingehend zurückstecken?

Warum wird dies so wenig thematisiert?

Warum wird dies nicht offen diskutiert? 



Warum gelten Paar-Selbstverständlichkeiten als Selbstverständlichkeiten und die Bedürfnisse anderer als nicht so selbstverständlich, sondern als individuelle Bedürfnisse, die dann auch individuell gelöst werden müssen?

[Dieser Text ist im Zine „Liebe & Beziehung_en“ erschienen.]

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Das Institut stellt sich vor http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2012/06/20/erster-eintrag/ http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2012/06/20/erster-eintrag/#comments Wed, 20 Jun 2012 09:02:57 +0000 IfsA Allgemein http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/2012/06/20/erster-eintrag/ Hallo und herzlich willkommen auf der Webseite des Instituts für separatistischen Ausschlussfeminismus. Gemeinsam und gegeneinander will das Institut den Feminismus mit radikalen Schriften und militant-spalterischen Aktionen voranbringen.

Das Institut freut sich bereits über eine erste Kooperation: Unser Zine „Liebe & Beziehung_en, Vol. I“ wird auf den Konzerten der feministischen Punkband Respect My Fist vertrieben werden. Nächste Termine….

Ihr könnt das Zine auch direkt beim Institut bestellen. Einfach eine Mail an ausschluss@riseup.net schreiben!

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