Archiv für April 2013

Monosexismus?

Neulich ist das Institut über einen Begriff gestolpert: Monosexismus. Zunächst dachte es sich, dass es sich dabei um ein Wort handelt, das die Diskriminierung_Marginalisierung von nicht_hetero_zweier_reproduktions_normativen Beziehungsgeflechten analytisch greifbar macht, weil es sich sprachlich auch auf „Monogamie“ bezieht.

Leider irrte das Institut gewaltig. Monosexismus wird gebraucht, um die Diskriminierung von Menschen zu beschreiben, die gleichzeitig weder hetero noch „homosexuell“ begehren, ob nun in polyamorösen oder monogamen Zweier_Paarbeziehungen. Dies würde bedeuten, dass Menschen mit pan- bi- polysexuellen Begehrensformen_praxen nicht nur von (zweierpaarbeziehungsgenormten) Heten und Heterosexismus betroffen sind. Sondern auch von der Feindseligkeit vieler „Homos“ gegenüber Menschen mit pan- bi- polysexuellen Begehrensformen_praxen. Wobei im Sinne des Gebrauchs des Begriffes von Monosexismus „Homos“ erstmal eine unbestimmte statische Gruppe sind. Mehr noch behauptet „Monosexismus“, es gäbe eine grundsätzliche strukturelle Benachteiligung jener Sexualitäten/Begehrens- (und manchmal) Beziehungspraktiken, die mehr als „auf ein Geschlecht“ („monosexuell“) festgelegt sind.

Dem Institut tun sich einige Fragen auf:

Welches Sexismusverständnis liegt dem Begriff Monosexismus zu Grunde?
Welches cis_zwei_gegenderte Verständnis von Geschlecht?
Welches normative Verständnis von Begehren? Von Sexualität? Von Beziehung? Von Sex_(nicht)_körperlicher Nähe_Intimität? Und ist das nicht alles untrennbar miteinander verflochten und muss als Gesamtpaket dekonstruiert_kritisiert_emanzipiert werden?
Warum sind Heten und „Homos“ in Bezug auf „Monosexismus“ gleich?
Warum taucht überhaupt der Begriff „Homosexualität“ in diesem Zusammenhang auf?
Welche hetero_sexistischen Strukturen nimmt „Monosexismus“ in den Blick? (und welche nicht?)

Einschub:

In sich selbst als feministisch oder queer_feministisch bezeichnenden Zusammenhängen beobachtet das Institut, wenn es um die Thematisierung von Heterosexismus und Heteragenderung geht, dass sich viele Heten von der Kritik an strukturellen und diskursiven Privilegierungen zurückziehen, weil das bisexuell L_i_ebende ausgrenze, nicht mitdenke, die Welt in „Homo“-Hetero aufteile, alles was dazwischen und darüber hinaus liegt, völlig unangetastet ließe und deshalb eine Kritik an Heteronormativität in der Regel undifferenziert sei. Weiterhin beobachtet das Institut eine Instrumentalisierung_Aneignung_Kokettierung von und mit als nicht-heter@ eingelesenen Praxen durch Heten. Offenbar soll damit eine Offenheit_Nähe für und zu nicht normativen Begehrensformen signalisiert werden, letztlich freuen sich über diese „Nettigkeiten“ in der Regel Typen und Heteras. Das Spiel mit dem Unbekannten, dem Feuer, dem Verbotenen, dem hetera_male_gaze, dyke (und trans sowie dyke_trans) kennt das. Kritik an heterosexistischen Äußerungsformen und privilegierten Raumnahmen_Selbstverständlichkeiten des hetigen Selbst wird so seiner Legitimität beraubt, weil so ganz hetero sei hete dann ja doch nicht. Überhaupt: Liebe sei ja zufällig und über jede Machtverhältnisse erhaben, Gefühle könne mensch sich nicht aussuchen, und überhaupt wäre es nicht dieser und jener Typ, mit dem hetera gerade „zufällig“ eine Beziehung führe, dann wäre es eben einer dieser --- na ihr wisst schon --- Perversen, Anderen, Dazwischens, Darüberhinauses gewesen. Vielleicht beim nächsten Mal. Wir denken uns dann: Uff. Noch eine übergriffige Katy mehr, die uns ungefragt von ihren intimen Erlebnissen „mit einer Frau“ berichtet oder avanciert, dass sie uns ziemlich begehrenswert finden würde, wenn sie lesbisch wäre. Kaum ist einer dieser Sätze ausgeprochen, wird bereits wieder über Typen referiert, um sich aus der Höhle der Löw_innen zu stehlen, die hetera vorher so selbstsicher betreten hatte.

Einschub Ende.

Doch was hat das Ganze nun mit „Monosexismus“ zu tun? Das Institut urteilt hart: „Monosexismus“ in seinem derzeitigen Gebrauch ist merkwürdig anschlussfähig für genau diese Rhetoriken, Übergriffe und Selbstverständlichkeiten von Heten, die schlicht unwillig sind, ihr Beziehungs- und Intimitäts-Handeln als politisch bedeutsam – also auch immer diskriminierend_ausschließend_nicht wahrnehmbar machend_normierend_ein System stützend – zu begreifen. Das heißt nicht, dass ausschließlich Heten verantwortlich für Heterosexismus und heteronormative Kackscheiße sind. Doch solange zwischen Heten und „Homos“ kein Unterschied hinsichtlich ihrer sozialen Positionierung gemacht wird, Heten und „Homos“ also im liberalen Sinne als Gleiche behandelt werden in ihrem sprechen_handeln_performen, strukturell diskriminierte Positionen („Homo“) mit strukturell privilegierten („hetero“) gleichgesetzt werden, so wie es der Begriff „monosexuell“ nahelegt, wirkt er hetero_sexistisch.

Weiterhin re_produzieren „monosexuell“ und „Monosexismus“ Zwei_Cis_Genderung, solange nebulös von „Begehren ist auf ein Geschlecht festgelegt“ die Rede ist. Der Mythos von „same-sex relationships“ wird unkritisch aufgegriffen, ohne ihn zu hinterfragen. Trans wie Cis positionen können bspw lesbisch begehren_sich lesbisch identifizieren, ohne dabei auf „das Geschlecht“ „Frau“ Bezug zu nehmen oder umgekehrt. Bi ist nicht auf jene Menschen festgelegt, die sich als (Cis) „Frau“ oder „Mann“ identifizieren und jeweils (Cis) „Frau“ oder „Mann“ begehren_Intimität_Nähe_Sex teilen_haben.

Mit dem Weiterführen der Begriffe „Homo“ oder „Bi“, ohne sie jeweils für die eigene soziale Position zu kontextualisieren, werden prototypisierte Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit (Zwei_Genderung) und „geschlechtliche Eindeutigkeit_eindeutige geschlechtliche Zuordenbarkeit über zeit_raum hinweg“ (Cis_Genderung) fortgeschrieben. In beiden Fällen wird Sexismus reproduziert.

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