Monosexismus?

Neulich ist das Institut über einen Begriff gestolpert: Monosexismus. Zunächst dachte es sich, dass es sich dabei um ein Wort handelt, das die Diskriminierung_Marginalisierung von nicht_hetero_zweier_reproduktions_normativen Beziehungsgeflechten analytisch greifbar macht, weil es sich sprachlich auch auf „Monogamie“ bezieht.

Leider irrte das Institut gewaltig. Monosexismus wird gebraucht, um die Diskriminierung von Menschen zu beschreiben, die gleichzeitig weder hetero noch „homosexuell“ begehren, ob nun in polyamorösen oder monogamen Zweier_Paarbeziehungen. Dies würde bedeuten, dass Menschen mit pan- bi- polysexuellen Begehrensformen_praxen nicht nur von (zweierpaarbeziehungsgenormten) Heten und Heterosexismus betroffen sind. Sondern auch von der Feindseligkeit vieler „Homos“ gegenüber Menschen mit pan- bi- polysexuellen Begehrensformen_praxen. Wobei im Sinne des Gebrauchs des Begriffes von Monosexismus „Homos“ erstmal eine unbestimmte statische Gruppe sind. Mehr noch behauptet „Monosexismus“, es gäbe eine grundsätzliche strukturelle Benachteiligung jener Sexualitäten/Begehrens- (und manchmal) Beziehungspraktiken, die mehr als „auf ein Geschlecht“ („monosexuell“) festgelegt sind.

Dem Institut tun sich einige Fragen auf:

Welches Sexismusverständnis liegt dem Begriff Monosexismus zu Grunde?
Welches cis_zwei_gegenderte Verständnis von Geschlecht?
Welches normative Verständnis von Begehren? Von Sexualität? Von Beziehung? Von Sex_(nicht)_körperlicher Nähe_Intimität? Und ist das nicht alles untrennbar miteinander verflochten und muss als Gesamtpaket dekonstruiert_kritisiert_emanzipiert werden?
Warum sind Heten und „Homos“ in Bezug auf „Monosexismus“ gleich?
Warum taucht überhaupt der Begriff „Homosexualität“ in diesem Zusammenhang auf?
Welche hetero_sexistischen Strukturen nimmt „Monosexismus“ in den Blick? (und welche nicht?)

Einschub:

In sich selbst als feministisch oder queer_feministisch bezeichnenden Zusammenhängen beobachtet das Institut, wenn es um die Thematisierung von Heterosexismus und Heteragenderung geht, dass sich viele Heten von der Kritik an strukturellen und diskursiven Privilegierungen zurückziehen, weil das bisexuell L_i_ebende ausgrenze, nicht mitdenke, die Welt in „Homo“-Hetero aufteile, alles was dazwischen und darüber hinaus liegt, völlig unangetastet ließe und deshalb eine Kritik an Heteronormativität in der Regel undifferenziert sei. Weiterhin beobachtet das Institut eine Instrumentalisierung_Aneignung_Kokettierung von und mit als nicht-heter@ eingelesenen Praxen durch Heten. Offenbar soll damit eine Offenheit_Nähe für und zu nicht normativen Begehrensformen signalisiert werden, letztlich freuen sich über diese „Nettigkeiten“ in der Regel Typen und Heteras. Das Spiel mit dem Unbekannten, dem Feuer, dem Verbotenen, dem hetera_male_gaze, dyke (und trans sowie dyke_trans) kennt das. Kritik an heterosexistischen Äußerungsformen und privilegierten Raumnahmen_Selbstverständlichkeiten des hetigen Selbst wird so seiner Legitimität beraubt, weil so ganz hetero sei hete dann ja doch nicht. Überhaupt: Liebe sei ja zufällig und über jede Machtverhältnisse erhaben, Gefühle könne mensch sich nicht aussuchen, und überhaupt wäre es nicht dieser und jener Typ, mit dem hetera gerade „zufällig“ eine Beziehung führe, dann wäre es eben einer dieser --- na ihr wisst schon --- Perversen, Anderen, Dazwischens, Darüberhinauses gewesen. Vielleicht beim nächsten Mal. Wir denken uns dann: Uff. Noch eine übergriffige Katy mehr, die uns ungefragt von ihren intimen Erlebnissen „mit einer Frau“ berichtet oder avanciert, dass sie uns ziemlich begehrenswert finden würde, wenn sie lesbisch wäre. Kaum ist einer dieser Sätze ausgeprochen, wird bereits wieder über Typen referiert, um sich aus der Höhle der Löw_innen zu stehlen, die hetera vorher so selbstsicher betreten hatte.

Einschub Ende.

Doch was hat das Ganze nun mit „Monosexismus“ zu tun? Das Institut urteilt hart: „Monosexismus“ in seinem derzeitigen Gebrauch ist merkwürdig anschlussfähig für genau diese Rhetoriken, Übergriffe und Selbstverständlichkeiten von Heten, die schlicht unwillig sind, ihr Beziehungs- und Intimitäts-Handeln als politisch bedeutsam – also auch immer diskriminierend_ausschließend_nicht wahrnehmbar machend_normierend_ein System stützend – zu begreifen. Das heißt nicht, dass ausschließlich Heten verantwortlich für Heterosexismus und heteronormative Kackscheiße sind. Doch solange zwischen Heten und „Homos“ kein Unterschied hinsichtlich ihrer sozialen Positionierung gemacht wird, Heten und „Homos“ also im liberalen Sinne als Gleiche behandelt werden in ihrem sprechen_handeln_performen, strukturell diskriminierte Positionen („Homo“) mit strukturell privilegierten („hetero“) gleichgesetzt werden, so wie es der Begriff „monosexuell“ nahelegt, wirkt er hetero_sexistisch.

Weiterhin re_produzieren „monosexuell“ und „Monosexismus“ Zwei_Cis_Genderung, solange nebulös von „Begehren ist auf ein Geschlecht festgelegt“ die Rede ist. Der Mythos von „same-sex relationships“ wird unkritisch aufgegriffen, ohne ihn zu hinterfragen. Trans wie Cis positionen können bspw lesbisch begehren_sich lesbisch identifizieren, ohne dabei auf „das Geschlecht“ „Frau“ Bezug zu nehmen oder umgekehrt. Bi ist nicht auf jene Menschen festgelegt, die sich als (Cis) „Frau“ oder „Mann“ identifizieren und jeweils (Cis) „Frau“ oder „Mann“ begehren_Intimität_Nähe_Sex teilen_haben.

Mit dem Weiterführen der Begriffe „Homo“ oder „Bi“, ohne sie jeweils für die eigene soziale Position zu kontextualisieren, werden prototypisierte Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit (Zwei_Genderung) und „geschlechtliche Eindeutigkeit_eindeutige geschlechtliche Zuordenbarkeit über zeit_raum hinweg“ (Cis_Genderung) fortgeschrieben. In beiden Fällen wird Sexismus reproduziert.

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Der Fall Claudia D. – Was richtet ein Freispruch an?

[Triggerwarnung wegen sexualisierter Gewalt]

Gäste: Claudia D. u.a.
Sie wurde vergewaltigt vom liebsten Wettermoderator der Deutschen, dann kam ihr Vergewaltigungsprozess. Der Fall Claudia D. bewegte die Nation: Die Berichterstattung einiger Medien glich einer Vorverurteilung, andere stellten ihre Glaubwürdigkeit in Frage. Das Landgericht Mannheim sprach Täter Jörg Kachelmann schließlich aus Mangel an Beweisen vom Vergewaltigungsvorwurf frei und ihr Ruf ist ruiniert. Jetzt geht Claudia D. an die Öffentlichkeit.
Wie hat Claudia D. den Prozess erlebt? Wie steht sie heute zu Medien und Justiz in Deutschland? Führt sie einen einsamen Kreuzzug gegen Behörden und Öffentlichkeit? Welche Folgen hat der Fall Claudia D. für andere Vergewaltigungsprozesse? Was tun gegen Vorverurteilungen und Justizirrtümer?

Darüber diskutiert Günther Jauch mit Claudia D. und weiteren Betroffenen.

Zuschauer_innen können und sollen sich gerne vor und während der Sendung per Mail an der Diskussion beteiligen. Die Redaktion ist erreichbar unter: mail@guenther-jauch.de

Original

Die Top Girls übernehmen.

[Triggerwarnung für die Darstellung sexualisierter Gewalt]

Was aus der diesjährigen Berliner Slutwalk-Orga bisher öffentlich wurde, macht uns wütend.

Bereits im vergangenen Jahr gab es berechtigte Kritik an den Slutwalks, an den Zusammensetzungen und Arbeitsweisen der Orga-Gruppen, am Umgang mit dem Begriff „slut“ oder „schlampe“ sowie an der (fehlenden) inhaltlichen Auseinandersetzung mit interdependenten Diskriminierungen im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt_Sexismus.
Es wäre also viel Zeit gewesen, sich mit der herangetragenen Kritik auseinanderzusetzen, ein Selbstverständnis auszuarbeiten, besser zu netzwerken, die Workshop-Angebote von Les Migras und Hydra anzunehmen und sich erneut mit der Problematik des Begriffs „slutwalk“ zu beschäftigen und eine Umbenennung in Erwägung zu ziehen, wie es beispielsweise in Hamburg gemacht wurde.

Wir haben die Berliner Orga-Gruppe kurz nach dem Slutwalk am 13. August 2011 verlassen, da die inhaltlichen Differenzen zu groß und unüberbrückbar schienen. Auch einige andere, die wie wir radikale queer_feministische Grundsätze vertreten, nehmen aus diesen Gründen nicht mehr an der Orga teil.

Trotz anstrengender Diskussionen, viel strapazierter Nerven und einigem, was schief lief, finden wir, dass die Arbeit des letzten Jahres eine Grundlage geboten hätte, weiter zu reflektieren, einiges zu ändern und aus Fehlern zu lernen. Viele haben Interesse an der Orga gezeigt und an einer längerfristigen Beschäftigung mit den Ideen der Slutwalks. Viele hatten Lust, an der Orga teilzunehmen und der inhaltlichen Gestaltung beizuwohnen.

Was jetzt passiert, ist leider nichts davon. Ganz im Gegenteil. Das Vorbereitungstreffen, das im Juni stattfand, sollte eigentlich im November 2011 stattfinden, um dem damaligen sehr hohen Interesse von vielen Queer_Fem_inistinnen an der Mitgestaltung eines sich neu eröffnenden radikalen und feministischen Gestaltungsraumes in Berlin Rechnung zu tragen. Diese Chance wurde verpasst. Das diesjährige Vorbereitungstreffen fand nun so spät statt, dass für eine intensive inhaltliche Diskussion und eine mögliche Zusammenarbeit mit Netzwerkpartner_innen schon wieder kaum Zeit bleibt/blieb. Als Ort wurde das Co-Up ausgewählt, ein Co-Workingspace, dem kein queer_feministisches Selbstverständnis zugrunde liegt, der nicht barrierefrei ist, mit der Begründung, dass sich dort mehr Leute willkommen fühlen würden als im „zu linksradikalen, queer_feministischen“ barrierearmen Faq-Laden, der aktuell von der gleichen Orga als Raum für Plena genutzt wird.

Die finanziellen Mittel, die im vergangenen Jahr durch zwei Soliveranstaltungen auch nach dem Slutwalk zur Verfügung standen, wurden nicht an radikale queer_feministische Projekte gespendet, sondern sollten in die Ermöglichung eines nächsten Slutwalks fließen. Wir wundern uns daher, dass erneut eine so große Soliveranstaltung geplant und durchgeführt wurde, um den diesjährigen Slutwalk zu finanzieren.

Ankündigungstext und Motto der diesjährigen Soliparty ärgern in diesem Kontext gleich mehrfach. Nicht nur, dass die Kritiken des letzten Jahres scheinbar vollkommen unbeachtet bleiben, obwohl mehrere Organisator_innen in der Gruppe verblieben sind und daher über alles genaustens informiert sein müssten. Linke, radikale queer_feministische Inhalte, die von einigen im letzten Jahr noch hart erkämpft wurden, so dass wenigstens einiges an kackscheisse verhindert werden konnte und der Slutwalk 2011 nicht nur liberale Spaßfeminist_innen und „Top Girls“ angesprochen hat, sind in diesem Jahr vollkommen verschwunden.

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Das Problem mit der Paarnormativität

Was macht es mit Menschen, die keine Beziehung haben (wollen), wenn sich Personen in RZB vor ihnen inszenieren?

Paarnormativität beinhaltet, dass Personen ohne Beziehung als Mängelwesen hergestellt und kontinuierlich für ihr „alleine sein“ sanktioniert werden.
Nicht in einer Beziehung zu sein oder keine zu wollen wird mit Einsamkeit assoziiert. Mensch wird bemitleidet, irgendetwas muss sie_er ja falsch machen, wenn sie_er alleine ist.

Keinen sex zu haben, kann auch nicht richtig sein. Wie hältst du das aus?

Aus den Normen, die meistens mit RZB einhergehen, ergeben sich gleichzeitig diese „Mängel“ als real erlebte Erfahrungen für viele Personen ohne Beziehung, da bestimmte Lebenssituationen, bestimmtes unterstützendes Verhalten untereinander, zusammen sein, sich nahe sein, füreinander da sein in Verbundenheit mit körperlicher Nähe (die nicht sexualisiert sein muss) oftmals nur mit RZB in Verbindung gebracht werden, oftmals nur in diesen erlebt werden. 
Ergo: keine Beziehung = fehlende Nähe = Druck, wieder eine Beziehung zu finden.

Dieser Druck wird wesentlich erhöht, wenn Personen in Beziehungen sich in öffentlichen Räumen als solche inszenieren. Der scheinbare Mangel wird deutlich vor Augen geführt und gesellschaftliche Beziehungsnormen ständig reproduziert.

Nur in einer RZB bist du ein vollständiger Mensch.

Wie können wir mit diesen Normen brechen?

Freund_innenschaften als Priorität setzen 
(mit gleichen_ähnlichen Prioritäten ausstatten wie die RZB)

Selbstverständlichkeiten in Freund_innenschaften stärken und ausbauen, umsetzen
(Dies ist wahrscheinlich nur mit viel Kommunikation und Auseinandersetzung damit möglich, um bestimmte normative Strukturen die mit RZB und Freund_innenschaft einhergehen klar zu bekommen, sichtbar zu machen und ändern zu können)

Herausfinden und ernst nehmen, was einigen mehr, einigen weniger wichtig an einer RZB ist, auch die Beziehung akzeptieren, unterstützen. Dies halte ich vor allem für nicht-hetera-Beziehungen für sehr wichtig, da öffentliche Räume kaum zur Verfügung stehen.

Gegenseitig solidarisch sein

Eigene, internalisierte Beziehungsnormen hinterfragen, das eigene Verhalten beobachten und verändern.

Fragen zum weiter_denken:

Wieso handelt die meiste Musik von verlorener Liebe, beginnender Liebe, ewiger Liebe, schmerzender Liebe, glücklich machender Liebe?

Wieso wird von mir selbstverständlich erwartet, dass ich die Partner_innen meiner Freund_innen immer mitdenke, wenn ich etwas mit meinen Freund_innen plane? Ich muss ja auch nicht die engsten Freund_innen immer mit denken

Wieso werden Personen in RZB so oft und selbstverständlich bevorzugt?

Wieso genießen Paarbeziehungen so viele Privilegien?

Wieso wird einem Paar sofort das Bett angeboten, während die mitreisende Person selbstverständlich auf dem Sofa schlafen soll? Haben Personen in Beziehungen etwa häufiger Rückenprobleme?

Wieso wird Personen, die eine Beziehung führen, ein höheres Maß an Bedürfnissen (z.B Zeit zu zweit zu verbringen) zugestanden? Warum müssen meist die Personen ohne Beziehung dahingehend zurückstecken?

Warum wird dies so wenig thematisiert?

Warum wird dies nicht offen diskutiert? 



Warum gelten Paar-Selbstverständlichkeiten als Selbstverständlichkeiten und die Bedürfnisse anderer als nicht so selbstverständlich, sondern als individuelle Bedürfnisse, die dann auch individuell gelöst werden müssen?

[Dieser Text ist im Zine „Liebe & Beziehung_en“ erschienen.]

Das Institut stellt sich vor

Hallo und herzlich willkommen auf der Webseite des Instituts für separatistischen Ausschlussfeminismus. Gemeinsam und gegeneinander will das Institut den Feminismus mit radikalen Schriften und militant-spalterischen Aktionen voranbringen.

Das Institut freut sich bereits über eine erste Kooperation: Unser Zine „Liebe & Beziehung_en, Vol. I“ wird auf den Konzerten der feministischen Punkband Respect My Fist vertrieben werden. Nächste Termine….

Ihr könnt das Zine auch direkt beim Institut bestellen. Einfach eine Mail an ausschluss@riseup.net schreiben!